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Psychotherapiepraxis Stefanie Wittig

Emotionale Untreue

Wenn Nähe woanders entsteht, als sie sollte – über Grenzen, Vertrauen und den Umgang mit emotionaler Untreue.

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Emotionale Untreue

Vielleicht kennst du das Gefühl, mit jemandem über Dinge zu sprechen, die du deinem Partner oder deiner Partnerin schon lange nicht mehr erzählt hast. Es fühlt sich harmlos an – bis irgendwann die Frage aufkommt, ob es das wirklich noch ist.

Emotionale Untreue ist ein komplexes und oft schmerzhaftes Thema in Beziehungen. Im Gegensatz zur körperlichen Untreue, bei der sexuelle Handlungen im Vordergrund stehen, bezieht sich emotionale Untreue auf eine tiefe emotionale Verbindung und Intimität mit einer Person außerhalb der primären Beziehung. Dabei werden oft Bedürfnisse erfüllt, die eigentlich innerhalb der Partnerschaft ihren Platz haben sollten.

Es gibt keine allgemeingültige Definition davon, wo genau die Grenze verläuft – das ist von Paar zu Paar unterschiedlich. Was für den einen eine harmlose Freundschaft ist, kann sich für den anderen wie eine klare Grenzüberschreitung anfühlen. Ein paar wiederkehrende Merkmale gibt es trotzdem:

Wer betroffen ist – also der Partner, der von der emotionalen Untreue erfährt – fühlt sich damit oft betrogen, verletzt und hintergangen. Auch ganz ohne körperlichen Kontakt.

Emotionale Untreue oder platonische Freundschaft?

Der Unterschied liegt weniger in dem, was passiert, als darin, wie offen damit umgegangen wird. In einer gesunden Freundschaft gibt es in der Regel keine Geheimnisse gegenüber dem Partner, und die Nähe gefährdet die Partnerschaft nicht. Bei emotionaler Untreue entsteht dagegen eine Verbindung, die eigentlich der Partnerschaft vorbehalten sein sollte – und genau die wird verborgen. Der eigene Partner wird dann manchmal eher zum Störfaktor als zum sicheren Hafen, der er einmal war.

Warum passiert das?

Die Gründe sind selten nur einer. Manchmal sind es unerfüllte Bedürfnisse nach Nähe, Anerkennung oder Verständnis, die in der Partnerschaft gerade keinen Platz finden. Manchmal ist es einfach der Reiz des Neuen, besonders wenn der Alltag zu zweit in Routine erstarrt ist. Manchmal steckt dahinter ein geringes Selbstwertgefühl, das durch die Aufmerksamkeit einer anderen Person kurz Auftrieb bekommt. Und manchmal ist es die Schwierigkeit, sich wirklich einzulassen – ein unbewusster Ausweg aus zu viel Nähe. Fehlende Kommunikation in der Partnerschaft macht es oft leichter, genau diesen Weg zu gehen, statt die eigenen Bedürfnisse offen anzusprechen.

Was das mit einer Beziehung macht

Für den betroffenen Partner bedeutet emotionale Untreue oft verletzte Gefühle, Trauer und Wut. Vertrauen geht verloren – und ist meist nur schwer wiederherzustellen. Die Beziehung selbst gerät ins Wanken, manchmal wird aus der emotionalen auch eine körperliche Affäre. Für alle Beteiligten ist das eine emotionale Belastung. Und manchmal kommt noch etwas Schwereres dazu: Gaslighting, also die vorsätzliche Täuschung, die den anderen an der eigenen Wahrnehmung zweifeln lässt.

Was jetzt hilft

Der Umgang damit ist selten einfach – wie er gelingt, hängt von der Bereitschaft beider Seiten ab, sich der Situation zu stellen, von der Tiefe der emotionalen Verbindung und davon, ob beide die Beziehung überhaupt retten wollen. Ein paar Schritte, die dabei tragen können:

Emotionale Untreue ist für viele Menschen ein tiefer Vertrauensbruch. Was am Ende hilft, ist selten die perfekte Antwort, sondern der Mut, die eigenen Grenzen zu kennen und offen über Bedürfnisse und Gefühle zu sprechen – bevor sie sich woanders ihren Weg suchen.

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