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Eine Zwangsstörung, Zwangsneurose oder obsessive-compulsive disorder (OCD), ist durch Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen gekennzeichnet.
Zwangsgedanken sind wiederkehrende, unerwünschte Gedanken und Sorgen über z. B. Kontamination oder Symmetriewünschen, aber auch die Frage, ob man die Tür wirklich abgeschlossen hat oder beim Autofahren jemanden verletzt hat etc. Diese Gedanken sind sehr belastend und betreffen häufig die Bereiche Sexualität, Gewalt und Religion. Die Realität und die Zwangsgedanken, sind oft schwer voneinander zu trennen, so dass sich die Person nie sicher sein kann, dass es nicht doch passiert ist, oder jemand mental oder körperlich dabei verletzt wurde. Um sich zu versichern, dass die Gedanken nicht der Realität entsprechen, ist oft Bestätigung von außen nötig, oder auch filmen von Tür abschließen etc. hilft den Beteiligten kurz etwas Beruhigung zu erlangen. Zwangsgedanken spiegeln nicht das Wesen der Person wider. Aber auch wenn sie nicht in Taten umgesetzt werden, sind sie nicht minder quälend und gehen mit dem Gefühl der Scham und Schuld einher. Diese Symptome können das tägliche Leben stark beeinträchtigen und zu erheblichem Leidensdruck führen.
Zwangshandlungen (Compulsion) sind wiederkehrende, ritualisierte Handlungen, die oft als Reaktion auf Zwangsgedanken durchgeführt werden und Ängste sowie den enormen Leidensdruck zunächst kurzfristig verringern. Der Versuch, die Handlungen oder Gedanken zu verhindern oder zu ignorieren, verstärkt das Leiden und löst starkes Unbehagen und Angst aus.
Durch die Scham über das Verhalten und die Gedanken, fällt es den Betroffenen sehr schwer, sich darüber mitzuteilen und so nimmt der Teufelskreis seinen Lauf und beeinflusst immer mehr das Leben durch die Ängste, die Scham und das Vermeiden von bestimmten Situationen und strengen Routinen.
Auch wenn den Betroffenen ganz klar bewusst ist, dass die Zwangshandlungen/-gedanken irrational und sinnlos sind, können sie oft nicht gegen die Ausführung der Handlung oft Widerstand leisten.
Zwangsstörung sind oft in der Kindheit schon vorhanden, können hier auch wieder verschwinden. Je nach Stresslevel kann die Zwangsstörung sich im Laufe der Zeit verändern oder auch verstärken.
Die Entstehung einer solchen Störung kann genetische Ursachen, neurobiologische Faktoren, Umweltfaktoren wie traumatische Ereignisse, Stress begünstigt werden. Serotonin und die Amygdala spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Serotonin beeinflusst die Funktion der Amygdala, einer Hirnregion, die für Angst zuständig ist. Um der Dysregulation entgegen zu wirken, wird gerne eine Behandlung mit Antidepressiva, wie SSRI, in Betracht gezogen. Damit wird der Serotoninspiegel erhöht und die Amygdala-Aktivität reguliert und die Angstsymptome zu lindern.
Eine Zwangsstörung kann eine chronische Erkrankung sein, aber mit einer geeigneten Behandlung können die Symptome gelindert und Gedanken oder Verhaltensmuster geändert werden. Medikamente, Antidepressiva, wie z.B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), können in schwereren Fällen helfen, die Symptome zu lindern. Diese Medikation kann nur über einen Facharzt oder Psychiater verordnet werden und sollte von diesem auch überwacht werden.
Grundsätzlich wird ist die kognitive Verhaltenstherapie empfohlen, da deren Wirksamkeit bei Zwangsstörungen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurde.
Möglich ist begleitend oder erweiternd die tiefenpsychologisch fundierte Therapie, die psychoanalytische Therapie oder die Integrative humanistische Therapie. Bei den Therapieformen wird davon ausgegangen, dass Zwangsstörungen auf unbewussten Konflikten basieren, deren Ursache in der Kindheit vermutet wird. Ziel ist, diese Ursache mit den Betroffenen herauszuarbeiten und aufzulösen, um so die Zwangs- und deren Begleitsymptome zu verringern.
Wie bei jeder Therapie ist auch hier die Beziehung zwischen Therapeuten und Klient sehr wichtig und maßgeblich für einen Erfolg.
Die Wirksamkeit der o.g. Therapieformen sind bei Zwangsstörungen in wissenschaftlichen Studien nicht nachgewiesen worden. Ob Psychopharmaka kombiniert mit Psychotherapie, oder Psychotherapie ohne Medikation - Zwangsstörungen lassen sich behandeln und es kann eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden.