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Zum ArtikelVaginismus ist mehr als eine körperliche Verkrampfung – er ist ein komplexes Zusammenspiel aus Schmerz, Angst, Scham und Kontrollverlust. Viele betroffene Frauen suchen jahrelang keine Hilfe, aus Sorge, „nicht normal“ zu sein oder sich vor medizinischen Untersuchungen zu blamieren.
Diagnostisch gesehen ist Vaginismus ist eine sexuelle Funktionsstörung, bei der sich die Beckenbodenmuskulatur reflexartig verkrampft, sobald ein vaginales Eindringen (z. B. beim Geschlechtsverkehr, bei gynäkologischen Untersuchungen oder beim Einführen eines Tampons) versucht wird.
In der Praxis wird Vaginismus gerne unterschätzt oder mit unspezifischen Schmerzen („Dyspareunie“) verwechselt. Ein differenziertes Verständnis der Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze ist daher essenziell. Psychologische und erlernte Faktoren, wie Angst vor Übergriffen, traumatische Erfahrungen etc.) spielen bei Vaginismus oft eine Rolle. Dennoch sollte der Frauenarzt hinzugezogen werden, um ganz behutsam körperliche Ursachen wie Infektionen, Endometriose, OP Narbe etc auszuschließen.
Scham ist bei Vaginismus allgegenwärtig: Scham über den eigenen Körper, Scham vor dem Partner, Scham vor dem Arzt, manchmal sogar in der Therapie.
Die Aussagen der Betroffenen zeigen, dass sie sich häufig nicht verstanden oder ernst genommen fühlen. Der Scham liegt oft die Angst zugrunde, „falsch“ oder „unweiblich“ zu sein, und auch der Druck oder das Unverständnis vom Partner, kann sehr belastend sein.
Verständnis, Normalisierung und langsames Tempo sind hier wirksamer als jede Intervention. Schon die Erfahrung, über das Thema offen sprechen zu dürfen, wirkt heilend.
Der Schmerz beim Vaginismus ist real. Er entsteht durch eine reflexhafte Muskelanspannung des Beckenbodens, ausgelöst durch Angst oder Erwartung von Schmerz.Dieser Schmerz ist oft doppelt besetzt:
Körperlich – brennend, stechend, krampfartig und Emotional – verbunden mit Enttäuschung, Trauer oder Schuldgefühlen.
Man unterscheidet in der Diagnostik:
- Primärer Vaginismus: Die betroffene Person hatte noch nie schmerzfreien vaginalen Sex oder das Einführen war noch nie möglich.
- Sekundärer Vaginismus: Die Beschwerden treten nach einer Phase schmerzfreien Eindringens neu auf – z. B. nach einer Geburt, einem Trauma, Schmerzen oder psychischer Belastung.
- Psychisch: Angst vor Schmerzen, sexuelle Traumata, strenge religiöse oder kulturelle Erziehung, negative Einstellungen zur Sexualität. - Körperlich: Schmerzen durch Infektionen, Operationen, Geburt oder andere gynäkologische Probleme können einen Vaginismus begünstigen.
Aber auch Beziehungsfaktoren können Vaginismus fördern. Gibt es bereits große Kommunikationsprobleme, fehlendes Vertrauen oder gar starker Druck durch den Partner, kann auf diese Art noch mehr Stress entstehen.
Wie so oft geht es nicht ums „Funktionieren“, sondern um Körperbewusstsein, Einklang mit sich selbst und den eigenen Bedürfnissen sowie um Sicherheit und Vertrauen. "Ihr Körper schützt Sie. Er versucht, Sie vor einer Bedrohung zu bewahren. Wir helfen ihm jetzt, zu verstehen, dass keine Gefahr mehr besteht."
Mit einer behutsamen, schamfreien und ganzheitlichen Behandlung sind die Aussichten sehr gut. Viele Frauen erleben innerhalb weniger Monate deutliche Verbesserungen – weniger Schmerz, mehr Vertrauen, manchmal auch eine neue Form von Sexualität, die sich bewusster und freier anfühlt. Die Behandlung von Vaginismus verlangt kein „Reparieren“, sondern ein Begleiten auf dem Weg zur Selbstakzeptanz und das Erkennen der eigenen Bedürfnisse. Gefühle wie Scham und Schmerz dürfen ihren Raum haben, damit Heilung entstehen kann. Dann wird die Therapie zu einem sich gut anfühlenden Prozess – eines Ankommen oder eine Rückkehr in den eigenen Körper.